"Auch auf dem Münchner Arbeitsmarkt kommt jetzt der konjunkturelle Abschwung zwar langsam, dennoch unübersehbar, an. Die Veränderungen zeigen sich momentan noch moderat. Zwei wichtige Indikatoren des Arbeitsmarktes entwickelten sich jedoch negativ: Die Arbeitslosigkeit stieg und die Arbeitskräftenachfrage ging weiter zurück. Allerdings hat Kurzarbeit dem weiterhin stabilisierend entgegengewirkt. Mit unseren arbeitsmarktpolitischen Instrumenten mildern wir stärkere negative Auswirkungen noch ab", beschreibt Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur München, die aktuelle Situation.Entwicklung der Arbeitslosenzahlen (März/April) in den letzten acht Jahren

In den letzten fünf Jahren war die Arbeitslosigkeit im April jeweils zurückgegangen. Erstmals seit 2003 ist im Agenturbezirk München von März auf April ein Anstieg zu verzeichnen. Dennoch liegt die aktuelle Zahl der Arbeitslosen von 59.908 noch unter dem Wert vom April 2007 mit 65.357.
Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk München um 1.201 auf aktuell 59.908. "Günstige saisonale Einflüsse beeinflussen derzeit noch die Entwicklung positiv. Durch die sommerlichen Temperaturen kehren zahlreiche "Wiedereinsteller" in eine Tätigkeit zurück. Zudem federt die Kurzarbeit einen gravierenderen Anstieg ab. Aktuell befinden sich rund 38.500 Menschen in Kurzarbeit", so Becking. "Herausstellen möchte ich, dass Arbeitslose unter 25 Jahre entgegen der generellen Entwicklung bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben, ihre Zahl ist um 3,4 Prozent im Vergleich zum März zurückgegangen. In allen anderen Personengruppen fiel der Anstieg an Arbeitslosen noch moderat aus".
"Mit einem einfachen und wirkungsvollen Krisenmanagement begegnen wir in München der heraufziehenden Krise", so Becking weiter: "Die 9.700 freien Stellen im Bezirk werden so schnell wie möglich mit gut geeigneten Bewerbern, die jetzt auf den Markt drängen, besetzt. Durch das Mittel Kurzarbeit werden Arbeitnehmer so lange wie möglich in ihrem Unternehmen gehalten, wobei die zur Verfügung stehende Zeit in den Betrieben auch für Qualifizierungszwecke genutzt werden sollte. Sollte Arbeitslosigkeit dennoch eintreten, werden die Arbeitslosen so schnell wie möglich zielorientiert qualifiziert, um diese wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Weiterhin stellen die Agenturen sicher, dass die Lohnersatzleistungen so schnell wie möglich ausgezahlt werden."
Unterteilung nach Rechtskreisen
Von der Agentur für Arbeit wurden im April 29.446 Bewerber/innen betreut. Im System der Grundsicherung liegt die Zahl der betreuten Personen aktuell bei 30.462. Auffällig ist in diesem Monat der Anstieg der Langzeitarbeitslosen im Grundsicherungssystem mit 897 Personen. "Gering Qualifizierte profitieren in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht mehr in dem Maße wie Fachkräfte. Letztere werden unter allen Umständen noch durch Instrumente wie Kurzarbeit gehalten. Das wiederum bestätigt die Bedeutung von steter Qualifizierung und Weiterbildung. Bildung trägt gerade jetzt die besten Zinsen!", so Becking.

Entwicklungen in den Geschäftstellen
In den Geschäftstellen Starnberg, Ebersberg und Dachau kann gegen den Trend ein Rückgang an Arbeitslosen festgestellt werden. Saisonal bedingt wurden Wiedereinsteller im April vermehrt in den Arbeitsmarkt integriert.
Stellenmarkt
Der Rückgang offener Stellen in den vergangenen Monaten setzt sich auch im April fort. Die Zahl der gemeldeten Stellen fällt mit 9.736 seit April 2006 erstmals wieder unter die 10.000-er Marke. Vom Rückgang sind sowohl der technische Bereich, die Metall- und Elektroberufe und die Zeitarbeitsbranche betroffen. "Wir beobachten, dass Arbeitgeber derzeit bei der Einstellung neuen Personals zurückhaltend agieren. Nichts desto trotz wird auch weiterhin qualifiziertes Personal gesucht. Die Personalauswahl erfolgt allerdings sehr sorgfältig und eher zäh. Einen Zuwachs an Stellenangeboten beobachten wir insbesondere in den Pflege- und Erziehungsberufen", meint Becking. "Große Teile des Handwerks sind nach wie vor an Fachkräften interessiert. Auch in der IT-Branche ist der Fachkräftebedarf nicht gedeckt."
Besonderes Kennzeichen des Münchner Arbeitsmarkts ist seine hohe Dynamik, die ungebrochen ist: So stehen 16.533 Zugänge in Arbeitslosigkeit 15.326 Abgängen (höchster Abgang im Jahresverlauf) aus Arbeitslosigkeit einander gegenüber. Im April wurden rund 3.694 offene Stellen gemeldet, im Vergleich zum März ist dies fast unverändert.
Qualifizierung
Das Thema Qualifizierung steht weiterhin im absoluten Schwerpunkt der Arbeitsagentur, da wir versuchen, durch den Einsatz von Förderinstrumenten Arbeitslosigkeit präventiv zu verhindern oder schnell zu beenden. Die Agentur für Arbeit München qualifizierte seit Jahresbeginn 11.800 Personen in Maßnahmen. Dies stellt einen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr von 41 Prozent dar. An finanziellen Aufwendungen wurden allein dafür fast 16 Mio. Euro seit Jahresbeginn eingesetzt. "Gut qualifizierte Bewerber finden auch in diesen schwierigen Zeiten schneller eine berufliche Perspektive", so Bernd Becking.
"Abschließend möchte ich nochmals auf die Möglichkeit hinweisen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Phase der Kurzarbeit weiter zu qualifizieren. Die Abstimmungsprozesse mit den Bildungsträgern und den kurzarbeitenden Unternehmen laufen derzeit. Benötigte Qualifizierungsmodule können nach zügiger Absprache individuell entwickelt werden. Wir unterstützen die Münchner Unternehmen dabei. Auch kleine und mittelständische Betriebe sollten das Angebot unbedingt nutzen", appelliert Becking.
» Druckversion zeigen
» News, Videos und Info
» von Sebastian Kübler
Link: Agentur für Arbeit München
Weitere News von Agentur für Arbeit München: